Laetitia – Teil I

Laetitia – Teil I

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Laetitia

Die Tür knallt ins Schloß und mit einem dumpfen Schlag fällt die Tasche auf dem zerschissenen Parkett in sich zusammen. Erschöpft sinkt Rupert in seinen Fernsehsessel und greift nach seiner Fernbedienung, die vom Abend zuvor noch zwischen Aschenbecher und einer halbausgetrunkenen Flasche Bier klemmt. Roxane hat’s mal wieder nicht gepackt den Scheiß wegzuräumen, denkt er sich und zappt dabei teilnahmslos durch die Programme.

Na endlich, Alex hat es geschafft, dass Kerstin ihm einen bläst und das vor Millionen von Zuschauern. Aber man kann natürlich nichts sehen, heimlich vergraben unter einer Decke tun sie es und nur durch das Zusammenspiel blaudunstiger Bilder von Infrarotkameras und den immer schneller werdenden Auf- und Abbewegungen der Bettdecke läßt sich eindeutig vermuten, was damnter wirklich geschieht. Eingeschweíßt in billige Bettwäsche bewegt sich der Wulst verkeilter Körper für wenige Minuten in der Röhre des alten Blaupunktfernsehers- bis einer der anderen Bewohner des Hauses beim Zähneputzen gefilmt wird. Rupert gähnt und ein salziger Tropfen schießt aus seinem linken Auge, rinnt über die leicht hängende Wange und verschwindet in einem ungepflegtem Bart.

Schwerfällig schält er sich aus dem blank gescheuerten Leder seines Lieblingsplatzes und schlurft in die Küche. Es riecht noch leicht nach aufgewärmter Pizza, obwohl das Fenster sperrangelweit offen steht. Ein zerknitterter Zettel auf dem Küchentisch erzählt ihm, daß Roxane wieder Spätschicht hat und er ­unbedingt Kaffee besorgen soll und es ihr leid täte, was sie gestern gesagt hat.

Scheiß drauf, sagte er sich laut wir ham’ sowieso schon lang keinen Sex mehr. Hoffentlich ist noch Bier im Kühlschrank, denkt er sich und da es mittlerweile dunkel geworden ist, blendet ihn das Licht, als er die Tür aufreisst. Zwischen einer verschrumpelten Gurke und drei Dosen Tomatenmark liegt noch eine Dose Karlskrone, die er für den heutigen Abend nominiert. Mit einem lauten Zischen befreit er die 4,9 % Abenderholung und kickt die Kühlschranktür wieder zu. Auf dem Weg zum Wohnzimmer greift Rupert nach dem letzten Stück kalter Pizza, das verwaist auf einem Holzbrettchen schon auf ihn gewartet hat. Im Wohnzimmer lässt er die Rolläden runter und fällt mit aufsteigendem Gas in der Speiseröhre in seinen Sessel zurück. Auf dem Bildschirm rast ein silberglänzender Mittelklassewagen eine Rodelbahn hoch. Rupert schaltet den Fernseher ab und sitzt nun im Dunkeln. Von der Straße dringen die Geräusche des abendlichen Verkehrs an sein Ohr.

Fortsetzung folgt…

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